ADHS- und ADS-Diagnostik bei Erwachsenen in Wien
Wenn Konzentration, Antrieb oder Ruhe immer wieder zum Thema werden
Viele Erwachsene spüren seit Jahren, dass sie anders funktionieren: Sie sind kreativ und schnell im Denken, aber verlieren leicht den Faden.
Viele Betroffene beschreiben ein dauerhaftes Gefühl von „innerer Unruhe“ oder das Erleben, „nicht ganz bei der Sache“ zu sein – trotz großer Anstrengung. Typische Anzeichen können sein:
- Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten
- starkes Ablenkungserleben, besonders bei Routineaufgaben
- impulsives Handeln, unbedachte Entscheidungen
- Unruhe, Bewegungsdrang oder dauernde innere Spannung
- Aufschieben (Prokrastination), Zeitblindheit oder chaotische Arbeitsweise
- Reizüberflutung, emotionale Überempfindlichkeit
- plötzliche Motivationsschübe, gefolgt von Erschöpfung
- Probleme, Aufgaben zu strukturieren oder abzuschließen
Schritt 1: Erstgespräch und Anamnese
Im Erstgespräch werden Lebensgeschichte, Kindheitsentwicklung, bisherige Belastungen, schulische und berufliche Erfahrungen, sowie Stärken und Bewältigungsstrategien besprochen. Dabei geht es nicht um Defizite, sondern um ein Gesamtbild der individuellen Funktionsweise.
Schritt 2: Fragebögen und Fremdbeurteilungen
Standardisierte Selbstbeurteilungsbögen (z. B. ASRS oder CAARS) helfen, typische ADHS-/ADS-Muster zu erfassen. Wenn möglich, ergänzen Fremdeinschätzungen (Partner:in, Eltern, Freund:innen) das Bild – denn viele Betroffene kompensieren ihre Symptome über Jahre so gut, dass sie selbst nur einen Teil davon bewusst wahrnehmen.
Schritt 3: Klinische Exploration und Testung
Die klinische Exploration vertieft das Verständnis für Konzentration, Aufmerksamkeit, Impulsivität und emotionale Regulation. Ergänzend können neuropsychologische Tests eingesetzt werden, um exekutive Funktionen (z. B. Planen, Arbeitsgedächtnis, Reaktionskontrolle) objektiv zu erfassen.
Schritt 4: Auswertung und Zusammenschau
Die Ergebnisse aus Gespräch, Fragebögen und Tests werden in einem Gesamtprofil zusammengeführt. Dabei wird klar, ob eine ADHS- oder ADS-Diagnose vorliegt, in welcher Ausprägung, und welche begleitenden Faktoren (z. B. Stress, Depression, Angst) eine Rolle spielen.
Schritt 5: Rückmeldegespräch
Im Abschlussgespräch erhalten Sie eine ausführliche Rückmeldung über:
- die diagnostischen Ergebnisse,
- Ihre individuellen Stärken und Ressourcen,
- mögliche Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten (z. B. Psychotherapie, Coaching, Medikation, Selbstorganisation),
- sowie Empfehlungen, wie Sie Ihr Arbeits- und Alltagsumfeld gezielt anpassen können.
Eine große internationale Meta-Analyse (Fayyad et al., World Health Organization / WHO, 2021) zeigte, dass weltweit etwa
- 2,58 % der Erwachsenen eine persistierende ADHS aufweisen (d. h. sie begann in der Kindheit und besteht fort),
- und rund 6,76 % eine symptomatische ADHS, die nicht immer in der Kindheit diagnostiziert wurde.
Das entspricht weltweit über 350 Millionen Erwachsenen, die in unterschiedlicher Form betroffen sind.
Weitere Studien (z. B. Kessler et al., 2022; Song et al., 2023) bestätigen diese Häufigkeit und zeigen, dass ADHS bei Erwachsenen häufig unerkannt bleibt – besonders bei Frauen und bei Menschen mit vorwiegend unaufmerksamer Symptomatik (ADS).
Die Forschung belegt zudem, dass eine rechtzeitige Diagnose die Wahrscheinlichkeit für depressive Episoden, Burnout und Selbstwertprobleme deutlich senkt, da Betroffene lernen, ihre Funktionsweise besser zu verstehen und zu strukturieren.
Eine ADHS- oder ADS-Diagnose erklärt nicht „wer man ist“, sondern wie man funktioniert.
Sie beschreibt ein neurobiologisches Muster mit erhöhter Reizoffenheit, impulsiver Reaktionsverarbeitung und Besonderheiten in der dopaminergen Signalverarbeitung – kein Mangel an Willenskraft oder Disziplin. Das Ergebnis zeigt:
- Welche Muster typisch für Sie sind,
- wie stark die Symptome ausgeprägt sind,
- welche Ressourcen Sie bereits entwickelt haben,
- welche Strategien Ihnen im Alltag helfen können.
Eine gute Diagnostik ist immer mehr als ein Testergebnis – sie ist der Beginn eines bewussteren Umgangs mit sich selbst.
Die Behandlung von ADHS/ADS im Erwachsenenalter kann sehr individuell sein. Sie umfasst in der Regel:
- Psychoedukation – Verstehen, was ADHS bedeutet
- Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie, ACT, hypnosystemische oder psychodynamische Ansätze)
- Medikamentöse Unterstützung, wenn angezeigt (z. B. Methylphenidat oder Atomoxetin)
- Strukturierungs- und Selbstmanagementtraining
- Coaching zur Berufsorganisation und Alltagseffizienz
- Entspannungs- und Achtsamkeitsstrategien
Ziel ist nicht „Normalität“, sondern Funktionalität: die eigene Energie und Kreativität so zu nutzen, dass sie unterstützend wirkt, statt zu überfordern.
Nach der Diagnostik beginnt der wichtigste Teil – die Umsetzung.
Viele Betroffene erleben bereits kurz nach der Diagnose eine deutliche Erleichterung, weil sie verstehen: „Ich bin nicht zu schwach – ich bin einfach anders verdrahtet.“ Empfehlenswert sind:
- Regelmäßige Therapie- oder Coachingtermine zur Stabilisierung
- Austausch mit anderen Betroffenen
- Strukturen und Routinen, die zu Ihrem Rhythmus passen
- Kleine, erreichbare Ziele statt Überforderung
- Geduld mit sich selbst – Veränderung braucht Zeit
Eine ADHS-/ADS-Diagnostik kann damit ein entscheidender Wendepunkt sein: vom Gefühl des Scheiterns hin zu einem selbstverständlicheren Umgang mit der eigenen Art zu denken, zu fühlen und zu handeln.
Wann ist eine ADHS- oder ADS-Diagnostik sinnvoll?
Viele Betroffene beschreiben ein dauerhaftes Gefühl von „innerer Unruhe“ oder das Erleben, „nicht ganz bei der Sache“ zu sein – trotz großer Anstrengung. Typische Anzeichen können sein:
- Schwierigkeiten, Aufmerksamkeit über längere Zeit aufrechtzuerhalten
- starkes Ablenkungserleben, besonders bei Routineaufgaben
- impulsives Handeln, unbedachte Entscheidungen
- Unruhe, Bewegungsdrang oder dauernde innere Spannung
- Aufschieben (Prokrastination), Zeitblindheit oder chaotische Arbeitsweise
- Reizüberflutung, emotionale Überempfindlichkeit
- plötzliche Motivationsschübe, gefolgt von Erschöpfung
- Probleme, Aufgaben zu strukturieren oder abzuschließen
Eine Diagnostik ist besonders sinnvoll, wenn diese Muster schon seit der Kindheit in unterschiedlicher Ausprägung vorhanden sind und sich über verschiedene Lebensbereiche hinweg zeigen – etwa im Beruf, in Beziehungen oder im Alltag.
Wie läuft die Diagnostik ab?
Schritt 1: Erstgespräch und Anamnese
Im Erstgespräch werden Lebensgeschichte, Kindheitsentwicklung, bisherige Belastungen, schulische und berufliche Erfahrungen, sowie Stärken und Bewältigungsstrategien besprochen. Dabei geht es nicht um Defizite, sondern um ein Gesamtbild der individuellen Funktionsweise.
Schritt 2: Fragebögen und Fremdbeurteilungen
Standardisierte Selbstbeurteilungsbögen (z. B. ASRS oder CAARS) helfen, typische ADHS-/ADS-Muster zu erfassen. Wenn möglich, ergänzen Fremdeinschätzungen (Partner:in, Eltern, Freund:innen) das Bild – denn viele Betroffene kompensieren ihre Symptome über Jahre so gut, dass sie selbst nur einen Teil davon bewusst wahrnehmen.
Schritt 3: Klinische Exploration und Testung
Die klinische Exploration vertieft das Verständnis für Konzentration, Aufmerksamkeit, Impulsivität und emotionale Regulation. Ergänzend können neuropsychologische Tests eingesetzt werden, um exekutive Funktionen (z. B. Planen, Arbeitsgedächtnis, Reaktionskontrolle) objektiv zu erfassen.
Schritt 4: Auswertung und Zusammenschau
Die Ergebnisse aus Gespräch, Fragebögen und Tests werden in einem Gesamtprofil zusammengeführt. Dabei wird klar, ob eine ADHS- oder ADS-Diagnose vorliegt, in welcher Ausprägung, und welche begleitenden Faktoren (z. B. Stress, Depression, Angst) eine Rolle spielen.
Schritt 5: Rückmeldegespräch
Im Abschlussgespräch erhalten Sie eine ausführliche Rückmeldung über:
- die diagnostischen Ergebnisse,
- Ihre individuellen Stärken und Ressourcen,
- mögliche Behandlungs- und Unterstützungsmöglichkeiten (z. B. Psychotherapie, Coaching, Medikation, Selbstorganisation),
- sowie Empfehlungen, wie Sie Ihr Arbeits- und Alltagsumfeld gezielt anpassen können.
Wissenschaftliche Erkenntnisse – wie häufig ist ADHS im Erwachsenenalter?
Eine große internationale Meta-Analyse (Fayyad et al., World Health Organization / WHO, 2021) zeigte, dass weltweit etwa
- 2,58 % der Erwachsenen eine persistierende ADHS aufweisen (d. h. sie begann in der Kindheit und besteht fort),
- und rund 6,76 % eine symptomatische ADHS, die nicht immer in der Kindheit diagnostiziert wurde.
Das entspricht weltweit über 350 Millionen Erwachsenen, die in unterschiedlicher Form betroffen sind.
Weitere Studien (z. B. Kessler et al., 2022; Song et al., 2023) bestätigen diese Häufigkeit und zeigen, dass ADHS bei Erwachsenen häufig unerkannt bleibt – besonders bei Frauen und bei Menschen mit vorwiegend unaufmerksamer Symptomatik (ADS).
Die Forschung belegt zudem, dass eine rechtzeitige Diagnose die Wahrscheinlichkeit für depressive Episoden, Burnout und Selbstwertprobleme deutlich senkt, da Betroffene lernen, ihre Funktionsweise besser zu verstehen und zu strukturieren.
Ergebnisse verstehen – und was sie bedeuten
Eine ADHS- oder ADS-Diagnose erklärt nicht „wer man ist“, sondern wie man funktioniert.
Sie beschreibt ein neurobiologisches Muster mit erhöhter Reizoffenheit, impulsiver Reaktionsverarbeitung und Besonderheiten in der dopaminergen Signalverarbeitung – kein Mangel an Willenskraft oder Disziplin. Das Ergebnis zeigt:
- Welche Muster typisch für Sie sind,
- wie stark die Symptome ausgeprägt sind,
- welche Ressourcen Sie bereits entwickelt haben,
- welche Strategien Ihnen im Alltag helfen können.
Eine gute Diagnostik ist immer mehr als ein Testergebnis – sie ist der Beginn eines bewussteren Umgangs mit sich selbst.
Behandlung und Alltagshilfen
Die Behandlung von ADHS/ADS im Erwachsenenalter kann sehr individuell sein. Sie umfasst in der Regel:
- Psychoedukation – Verstehen, was ADHS bedeutet
- Psychotherapie (z. B. Verhaltenstherapie, ACT, hypnosystemische oder psychodynamische Ansätze)
- Medikamentöse Unterstützung, wenn angezeigt (z. B. Methylphenidat oder Atomoxetin)
- Strukturierungs- und Selbstmanagementtraining
- Coaching zur Berufsorganisation und Alltagseffizienz
- Entspannungs- und Achtsamkeitsstrategien
Ziel ist nicht „Normalität“, sondern Funktionalität: die eigene Energie und Kreativität so zu nutzen, dass sie unterstützend wirkt, statt zu überfordern.
Was nach der Diagnostik wichtig ist
Nach der Diagnostik beginnt der wichtigste Teil – die Umsetzung.
Viele Betroffene erleben bereits kurz nach der Diagnose eine deutliche Erleichterung, weil sie verstehen: „Ich bin nicht zu schwach – ich bin einfach anders verdrahtet.“ Empfehlenswert sind:
- Regelmäßige Therapie- oder Coachingtermine zur Stabilisierung
- Austausch mit anderen Betroffenen
- Strukturen und Routinen, die zu Ihrem Rhythmus passen
- Kleine, erreichbare Ziele statt Überforderung
- Geduld mit sich selbst – Veränderung braucht Zeit
Eine ADHS-/ADS-Diagnostik kann damit ein entscheidender Wendepunkt sein: vom Gefühl des Scheiterns hin zu einem selbstverständlicheren Umgang mit der eigenen Art zu denken, zu fühlen und zu handeln.
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- Letztes Update: 28.08.2026
Sprachen
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Viele Erwachsene spüren seit Jahren, dass sie anders funktionieren: Sie sind kreativ und schnell im Denken, aber verlieren leicht den Faden. Oder sie fühlen sich ständig innerlich unter Spannung, ohne zur Ruhe zu kommen. Andere erleben eher das Gegenteil – Trägheit, Tagträumerei, eine Art gedankliches „Wegdriften“.
Hinter solchen Mustern kann eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) stehen – Formen derselben Grunderkrankung, die sich unterschiedlich zeigen:
- ADHS mit vorwiegend hyperaktiv-impulsivem Erscheinungsbild,
- ADS mit vorwiegend unaufmerksamen, stillen Symptomen.
Beide Varianten können im Erwachsenenalter weiterbestehen, auch wenn sie in der Kindheit nicht erkannt wurden.
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Viele Erwachsene spüren seit Jahren, dass sie anders funktionieren: Sie sind kreativ und schnell im Denken, aber verlieren leicht den Faden. Oder sie fühlen sich ständig innerlich unter Spannung, ohne zur Ruhe zu kommen. Andere erleben eher das Gegenteil – Trägheit, Tagträumerei, eine Art gedankliches „Wegdriften“.
Hinter solchen Mustern kann eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) oder Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) stehen – Formen derselben Grunderkrankung, die sich unterschiedlich zeigen:
- ADHS mit vorwiegend hyperaktiv-impulsivem Erscheinungsbild,
- ADS mit vorwiegend unaufmerksamen, stillen Symptomen.
Beide Varianten können im Erwachsenenalter weiterbestehen, auch wenn sie in der Kindheit nicht erkannt wurden.
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