Psychoanalyse in Wien
Psychodynamisch orientierte Psychotherapie - verstehen, was im Inneren wirkt
Die psychodynamisch orientierte Psychotherapie gehört zu den tiefenpsychologischen Verfahren. Sie geht davon aus, dass viele psychische Beschwerden nicht zufällig entstehen, sondern Ausdruck innerer, häufig unbewusster Prozesse sind. Symptome wie Angst, Depression, Essstörungen… Zum Fachbeitrag →
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- Letztes Update: 22.08.2026
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Die psychodynamisch orientierte Psychotherapie gehört zu den tiefenpsychologischen Verfahren. Sie geht davon aus, dass viele psychische Beschwerden nicht zufällig entstehen, sondern Ausdruck innerer, häufig unbewusster Prozesse sind. Symptome wie Angst, Depression, Essstörungen, Zwänge, psychosomatische Beschwerden oder wiederkehrende Beziehungskonflikte werden nicht als Fehler verstanden, sondern als sinnvolle Lösungen des psychischen Systems für innere Not. Im Unterschied zur klassischen Psychoanalyse ist die psychodynamische Therapie meist stärker auf aktuelle Konflikte und konkrete Lebenssituationen bezogen und zeitlich klarer strukturiert. Die innere Dynamik steht im Mittelpunkt, jedoch mit einem deutlichen Fokus auf das Hier und Jetzt.
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Grundannahme der psychodynamisch orientierten Psychotherapie
Die psychodynamische Therapie geht davon aus, dass unser Erleben, Denken und Handeln wesentlich von unbewussten inneren Konflikten, Beziehungserfahrungen und frühen Bindungsmustern geprägt ist. Viele dieser inneren Dynamiken entstehen früh im Leben und werden später unbewusst wiederholt, in Partnerschaften, im Beruf, im Umgang mit sich selbst oder im Körper.
Ein zentrales Anliegen der psychodynamischen Therapie ist es, diese inneren Zusammenhänge sichtbar, verstehbar und schließlich veränderbar zu machen. Dabei steht weniger die umfassende Durcharbeitung der gesamten Lebensgeschichte im Vordergrund, sondern das Verstehen aktueller Konflikte und ihrer inneren Wurzeln.
Wie funktioniert psychodynamisch orientierte Psychotherapie
Im Mittelpunkt der therapeutischen Arbeit steht das gemeinsame Nachdenken über innere Prozesse. Gedanken, Gefühle, Erinnerungen, Fantasien, Körperempfindungen und das Erleben im therapeutischen Kontakt werden ernst genommen und gemeinsam reflektiert.
Dabei gilt:
Nicht nur was erzählt wird, ist wichtig, sondern auch wie, wann, mit welchen Gefühlen und mit welchen inneren Erwartungen. Die Therapie arbeitet mit dem, was aktuell belastet, und fragt zugleich nach den inneren Bedeutungen dahinter.
Das Unbewusste verstehen
Viele innere Konflikte sind dem bewussten Erleben nicht direkt zugänglich. Die psychodynamische Therapie fragt daher:
- Warum wiederholen sich bestimmte Beziehungsmuster
- Warum taucht Angst scheinbar grundlos auf
- Warum entsteht starke Selbstkritik
- Warum reagiert der Körper mit Symptomen
Symptome werden als Ausdruck innerer Spannungen verstanden. Sie sind keine Schwäche, sondern ein Hinweis auf ungelöste Konflikte oder strukturelle Überforderung.
Wie läuft eine psychodynamische Therapie ab?
1. Anfangsphase – Verstehen und Einordnen
Zu Beginn steht das gemeinsame Verstehen der aktuellen Lebenssituation und der Beschwerden. Welche Themen kehren immer wieder zurück. Welche Gefühle sind besonders belastend. Welche Konflikte prägen den Alltag.
Bereits in dieser Phase wird deutlich, dass Symptome einen inneren Sinn haben können, etwa als Schutz, als Regulierung oder als Kompromiss zwischen widersprüchlichen Bedürfnissen.
2. Arbeitsphase – Beziehung als Spiegel
Ein zentraler Wirkfaktor ist die therapeutische Beziehung. Auch in der psychodynamischen Therapie zeigen sich alte Beziehungsmuster häufig im Kontakt zur Therapeutin oder zum Therapeuten. Gefühle wie Abhängigkeit, Angst vor Ablehnung, übermäßige Anpassung oder Rückzug werden nicht bewertet, sondern gemeinsam reflektiert.
Die therapeutische Beziehung bietet die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen und alte innere Erwartungen zu korrigieren.
3. Integration und Veränderung
Mit zunehmendem Verstehen innerer Zusammenhänge verändert sich das Erleben. Gefühle werden differenzierter wahrgenommen, Spannungen besser reguliert, automatische Muster verlieren an Macht.
Ziel ist keine Perfektion, sondern mehr innere Stabilität, Selbstregulation und Wahlfreiheit im Denken, Fühlen und Handeln.
Warum wirkt psychodynamisch orientierte Psychotherapie?
Die Therapie wirkt nicht primär durch Ratschläge, sondern durch Verstehen und emotionale Erfahrung. Was verstanden wird, muss nicht mehr zwanghaft wiederholt werden. Was benannt werden kann, braucht weniger Symptome.
Zentrale Wirkfaktoren sind:
- Verstehen statt Bekämpfen von Symptomen
- Emotionale Erfahrung in einer tragfähigen therapeutischenBeziehung
- Integration abgespaltener oder vermiedener Gefühle
- Entwicklung struktureller Fähigkeiten wie Selbstregulation und Affekttoleranz
Praxisfälle aus der psychodynamischen Arbeit
Fall 1: Wiederkehrende Konflikte im Beruf
Eine Frau Mitte dreißig erlebt in ihrem beruflichen Umfeld immer wieder Situationen, in denen sie sich übergangen fühlt. Kritik trifft sie übermäßig stark. Sie zieht sich zurück oder reagiert innerlich mit großer Kränkung.
In der Therapie zeigt sich ein unbewusster Konflikt zwischen dem Wunsch nach Anerkennung und einer tief verankerten Erwartung, nicht gesehen zu werden. Frühere Erfahrungen von emotionaler Zurückweisung prägen ihr Selbstbild. Durch das Verstehen dieser inneren Dynamik kann sie aktuelle Situationen differenzierter einordnen und weniger persönlich nehmen.
Fall 2: Chronische Erschöpfung ohne klare Ursache
Ein Mann Anfang vierzig fühlt sich dauerhaft erschöpft, obwohl medizinisch keine Ursache gefunden wird. Er beschreibt sich als sehr pflichtbewusst und leistungsorientiert.
In der Therapie wird deutlich, dass eigene Bedürfnisse kaum wahrgenommen werden. Ein innerer Konflikt zwischen Autonomie und Loyalität führt dazu, dass er ständig über seine Grenzen geht. Die Erschöpfung wird als Ausdruck innerer Überforderung verstehbar. Mit wachsender Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und Abgrenzung verbessert sich sein Zustand.
Fall 3: Essstörung als Spannungsregulation
Eine junge Frau mit Bulimie berichtet von intensiven Gefühlen von Scham und innerer Leere. Essen und Erbrechen dienen der kurzfristigen Spannungsregulation.
In der psychodynamischen Arbeit zeigt sich ein Konflikt zwischen starkem Nähebedürfnis und Angst vor Vereinnahmung. Die Essstörung erfüllt die Funktion, unerträgliche Gefühle zu kontrollieren. Mit zunehmendem Verständnis für diese inneren Spannungen verliert das Symptom schrittweise seine zentrale Bedeutung.
Was passiert innerlich in der psychodynamischen Therapie?
Psychodynamische Therapie bedeutet, das eigene innere Erleben differenzierter kennenzulernen, auch widersprüchliche oder bisher vermiedene Anteile.
Häufig berichten Patientinnen und Patienten:
„Ich verstehe mich selbst besser“
„Ich erkenne meine Muster früher“
„Ich kann Gefühle besser aushalten“
„Ich bin weniger streng mit mir“
Veränderung entsteht nicht durch Druck, sondern durch Einsicht, Beziehung und emotionale Erfahrung.
Für wen ist psychodynamisch orientierte Psychotherapie geeignet?
Sie eignet sich besonders für Menschen, die
- wiederkehrende Muster verstehen möchten
- unter anhaltenden oder komplexen Beschwerden leiden
- Beziehungsprobleme bearbeiten wollen
- sich selbst vertieft kennenlernen möchten
- nicht nur Symptome lindern, sondern Ursachen verstehen wollen

Dr. Katrin Wippersberg ist eine vielseitig ausgebildete Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin, die mit viel Einfühlungsvermögen und umfassender Erfahrung in der Behandlung von Trauma, Angststörungen und Depressionen sowie als fundierte Paartherapeutin arbeitet.
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